Fasten bringt Linderung

Rheuma ist eine schmerzhafte Erkrankung, die oft mit starken Medikamenten bekämpft werden muss. Überraschend gute Erfolge bringt zeitweiliges Fasten. Studien belegen, dass Rheumapatienten während und nach der Nahrungspause längerfristig weniger Gelenkbeschwerden und weniger Schmerzen haben.


(Dr. med. Eva Lischka)



Fasten als Maßnahme bei Rheumatoider Arthritis:




Altbewährte Strategien als Alternative Auf der Suche nach Therapiealternativen stoßen Patienten und Ärzte auf altbewährte Strategien wie die Fasten- und Ernährungstherapie. Als der Sanitätsoffizier Dr. Otto Buchinger Ende des Ersten Weltkrieges 1916 an schwerem Gelenkrheuma erkrankte und die zu jener Zeit übliche Behandlung keinen Erfolg zeitigte, führte er auf Anraten eines Laien ein dreiwöchiges Fasten durch. Die Gelenkschmerzen verschwanden; er wurde wieder gesund und arbeitsfähig. Dies war der Anstoß zu seinem Lebenswerk, im Zuge dessen er mehrere Fastenkliniken gründete und die Wirkung des Heilfastens weiter erforschte. Wie lässt sich die Wirkung des Fastens nach unserem heutigen Wissensstand erklären?


Zum einen wird während des Fastens keine tierische Nahrung und damit auch keine Arachidonsäure zugeführt. Dies ist eine ungesättigte Fettsäure, die nur in tierischer Nahrung enthalten ist – besonders im Schweinefleisch finden sich hohe Konzentrationen. Arachidonsäure bildet im Körper die Ausgangssubstanz für entzündungsfördernde Botenstoffe, die so genannten pro-inflammatorischen Prostaglandine. Während des Fastens wird zum anderen das innere (viszerale) Bauchfett vermindert. Dieses stellt bei Übergewicht eine Brutstätte schädlicher hormoneller Botenstoffe (Interleukine, Tumornekrosefaktor alpha etc.) dar, die unter anderem auch Entzündungsvorgänge begünstigen. Während des vorübergehenden Nahrungsverzichts lässt sich bei Rheumapatienten schnell eine klinischen Besserung wie Abschwellen der Gelenke und Schmerzlinderung beobachten. Schon nach wenigen Tagen zeigt sich zudem eine Besserung der Gelenkbeweglichkeit. Im Labor ist ein Rückgang der erhöhten Senkungsgeschwindigkeit der Blutkörperchen (BKS) messbar. Auch eine geringere Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP) sowie der erhöhten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ist nachzuweisen. Alle drei Faktoren zeigen eine Verminderung der entzündlichen Aktivität im Körper an.



Erfolge sind wissenschaftlich belegt In wissenschaftlichen Untersuchungen konnten die Arbeiten von Dr. Jens Kjeldsen-Kragh in Oslo Anfang der 1990er Jahre den positiven Effekt des Fastens bestätigen. Er beobachtete bei 53 Rheumapatienten, die 7 bis 10 Tage fasteten und anschließend für 3,5 Monate einen individuell angepassten veganen Kostaufbau erhielten und sich weitere 9 Monate lactovegetabil ernährten, eine signifikante Besserung des Krankheitsbildes für circa zwei Jahre. Dann endete die Beobachtungszeit. Die Ergebnisse von weiteren Fastenstudien bei Rheuma haben die Experten Dr. Horst Müller, Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo und Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Dabei führten sie nur die Resultate von Studien zusammen, die über Anschlussdaten für mindestens drei Monate nach dem Fasten berichteten. Die Auswertung der beschriebenen klinischen Erfahrungen zeigt, dass Fasten und eine anschließende vegetarische Ernährung statistisch und klinisch einen bedeutenden und langfristig günstigen Effekt auf die Rheumapatienten ausübt. Bei Arthrose laufen ebenso wie bei Rheuma entzündliche Vorgänge in den Gelenken ab. Denn degenerative Vorgänge hängen wie entzündliche Prozesse auch stark mit der Ernährung zusammmen. Und so konnte eine Studie am Universitätsklinikum Jena die positiven Wirkungen des Fastens auch auf Gelenkschmerzen bei Arthrosepatienten bestätigen. Nach der 15-tägigen ärztlich begleiteteten Fastenkur hatten die 36 Teilnehmer deutlich weniger Schmerzen in den Gelenken, eine verbesserte Gelenkfunktion und ein gesteigertes Wohlbefinden. Die positiven Wirkungen hielten auch drei Monate nach dem Fasten noch an. Ein weiterer, sehr günstiger Effekt war zudem, dass der Großteil der Patienten ein verändertes Essverhalten beibehielt, mit viel vegetarischen, aber weniger tierischen Produkten und generell kleineren Portionen. Als entscheidend werteten die Forscher auch hier die verringerte Zufuhr der pro-entzündlichen Arachidonsäure aus tierischen Produkten.



Kann jeder Rheuma-Patient fasten? Wir leben in einer Gesellschaft, in der zwei Drittel der Menschen an Übergewicht leiden. Dennoch finden wir bei Rheumakranken viele Normal- bis leicht Untergewichtige. Nur der erfahrene Fastenarzt vermag nach gründlicher Erhebung der Krankengeschichte entscheiden, ob eine Fastentherapie in Frage kommt und ob gegebenenfalls Nährstoffergänzungen erforderlich sind. Dabei sind insbesondere die Ernährung und konstitutionelle Aspekte zu berücksichtigen. Fasten kann aber nicht einfach verordnet werden. Denn der Patient ist ja der Hauptakteur und übt freiwillig Verzicht. Daher spielt seine motivierte Entschlossenheit zu dieser Therapie eine entscheidende Rolle für den Behandlungserfolg. Kranke vom Fastenarzt betreuen lassen Besondere Sorgfalt erfordert der Umgang mit der bestehenden Medikation. Bei Einnahme von magenschleimhautschädigenden Arzneimitteln wie Cortison oder nicht­steroidaler Antirheumatika (NSAR) hat sich die Gabe von Leinsamen- oder Dinkelschleim bewährt. Der beim Fasten übliche Harnsäureanstieg könnte Gichtanfälle begünstigen. Deshalb werden vorbeugend Basenpulver eingesetzt. In vielen Fällen kann die konventionelle Medikation nicht sofort abgesetzt werden, sondern muss mit Augenmaß dem Fastenverlauf angepasst werden. Deshalb sollten Rheumapatienten, wie alle kranken Menschen, nur unter fastenärztlicher Aufsicht, am besten in einer geeigneten Klinik fasten (siehe unten). Dieser Rahmen ermöglicht auch eine optimale, individuell abgestimmte Verabreichung der unterstützenden ausleitenden Maßnahmen, wie Einläufen, Colontherapie sowie Physio-, Hydro- und Bewegungstherapie. Die Fastendauer hängt von vielen Faktoren ab. Erfahrene Fastenärzte wie Dr. Erich von Weckbecker empfehlen bei Gelenkerkrankungen mindestens 21 Fastentage. Für den nachhaltigen Erfolg zuhause hat es sich als zielführend erwiesen, die Patienten in der Kostaufbauphase in einer Lehrküche mit den diätetischen Besonderheiten vertraut zu machen. Denn eine schmackhafte und ausgewogene, vollwertige beziehungsweise vegane Ernährung will gelernt sein.



(Quelle: https://www.ugb.de/richtig-fasten/rheuma-fasten-bringt-linderung/)

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